Vario 9.2 mit Mittelsitz - ein Erlebnisbericht

  Unser Boot liegt an der Boje in Boinsdorf am Salzhaff bei Wismar. Es fällt gleich ins Auge, Trimarane sind eben noch nicht sehr verbreitet an der Ostseeküste. Wer aber näher hinsieht wird schnell die Vorteile gegen über Jollen oder Katamaranen feststellen.
In erster Linie sind es Sicherheit gegen Kentern und Sinken und die einfache Bedienung.
 

Der Combi Tri (wegen der verschiedensten Umbaumöglichkeiten) ist 4,6m lang, 3m breit, hat mit Steckschwert einen Tiefgang von 80cm und kann mit aufgeholtem Schwert jeden Strand anlaufen.

Die Segelfläche beträgt ca. 9,2m² bei der Standardversion mit 
Catsegel (CT Vario 9.2); die Raceversion mit Slup Rigg hat ca. 14m² Segelfläche (CT Vario 14). Das Leergewicht segelfertig liegt unter 120 Kg.
Morgens gegen 09.00 Uhr steht nur eine ganz leicht Brise über dem Salzhaff, die unseren Combi Tri anschiebt. In der Nähe versuchen einige Kitesurfer ihre Schirme in den Wind zu stellen aber das laue Lüftchen taugt nur dazu eine winzige Bugwelle an unseren Trimaran zu zaubern.
Wir sind zu zweit auf dem Combi Tri der auch sehr gut allein gesegelt werden kann.
Aber heute soll der Mittelsitz im Einsatz zeigen ob Entwurf und Fahrpraxis zusammen passen, da sehen vier Augen mehr als zwei.
Die Seitenpinne lässt sich leicht legen und das Ruder reagiert sehr direkt. Die Schot ist mittig auf der Belegsäule positioniert, jeweils seitlich sind die Klemmen für die Reffleine
Das flache Ufer am Werder bei Boinsdorf  haben wir schnell hinter uns gelassen, das Steckschwert verschwindet mit leichtem Druck im Schwertkasten, jetzt ist die Wassertiefe schon mehr als ein Meter.
Mit einem langen Schlag nach Nord West wollen wir den Werder passieren. Voraus liegt die Halbinsel Wustrow mit dem einladenden weißen Strand, der darf aber nur von Wasservögeln betreten werden, denn vorherige „Nutzer“ haben leider ihre explosiven Hinterlassenschaften nicht weggeräumt. 
Es soll uns nicht stören, denn wir wollen segeln und das klappt richtig gut in diesem Revier.
Als wir frei sind vom Werder, kommt der Wind ungebremst durch die Enge, jetzt zeigt der Combi Tri  was er kann.
Wir können höher an den Wind, der Leeschwimmer taucht  halb ein aber wir machen trotzdem flotte Fahrt. Ich hole die Schot mit beiden Händen dicht, dabei zieht der Tri nur ganz leicht in den Wind. Mit einer kleinen Korrektur an der Seitenpinne sind wir wieder auf Kurs.

Von Rerik kommt die grüne Fähre angerauscht, mit einem kleinen Schwenker sind wir sicher achtern vorbei. Ich mache einen Aufschießer damit die Fahrt aus dem Boot kommt und wir die Plätze tauschen können.
Trotzdem der Mittelsitz das Cockpit fast ausfüllt, ist durch die beidseitigen Trampoline genügend Platz um sich sicher zu bewegen.
Jetzt hat Martin die Seitenpinne und wir testen die Ruderlage bei vollem Ausschlag.

Inzwischen hat der Wind weiter aufgefrischt und bläst jetzt mit guten 4 Bft aus Süd West.

Langsam wird es Zeit zum Reffen. Martin nimmt die Nase in den Wind damit der Druck aus dem Segel kommt und dreht mit der Reffleine den Drehmast um knappe vier Umdrehungen. Es hat nur Sekunden gedauert, aber die Wirkung zeigt sich sofort.
Der Leeschwimmer taucht nicht mehr so tief ein und wir machen mehr Fahrt als vorher.

Als Standard wird der Combi Tri ohne Mittelsitz gesegelt und eigentlich auch ohne Trampoline, denn die Reling des Mittelrumpfes ist zwischen den Auslegern als breite Sitzfläche ausgebildet.
So haben wir den Combi Tri getestet bis Windstärke 8 und in Böen 9!!!  Wir haben dabei versucht, mit der vollen Segelfläche von 9m² den freistehenden Mast bis zum Bruch zu belasten – es ist immer noch alles ganz und bestand nicht einmal die Gefahr zu kentern.
Mit flotter Fahrt geht es zurück nach Boinsdorf, am Kiosk wird bei einer Tasse Kaffee das Ergebnis durch gesprochen.Der Mittelsitz hat sich bewährt auf der Testfahrt, nun kann der Vermietungsbetrieb beginnen.
Jetzt können auch Segler mit Handicap endlich ein normales Boot selbstständig und sicher 

segeln und sind nicht mehr angewiesen auf Sonderkonstruktionen.

Ein guter Ausblick auf die Zukunft für das Salzhaff als Segelrevier.


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